Mittwoch, 20. Juni 2018

Rezension: Das babylonische Wörterbuch - Joaquim Maria Machado de Assis

Titel: Das babylonische Wörterbuch 
Autor: Joaquim Maria Machado de Assis 
Erscheinungsdatum: 23. April 2018
Seitenzahl: 256
Verlag: Manesse
Preis: 20,00€
Genre: Erzählungen 


Inhalt:
Was wäre geschehen, hätte nicht Jesus die Bergpredigt gehalten, sondern der Teufel? Was, wenn Männer und Frauen ihre Seelen und Rollen tauschten? Joaquim Maria Machado de Assis, berühmtester Klassiker Brasiliens und Vorbote des Magischen Realismus, stellt in seinen Erzählungen ironisch alle Konventionen auf den Kopf. Lustvoll spielt er mit den Erwartungen seiner Leser und lotet Grenzen aus: von Gut und Böse, Vernunft und Wahnsinn, bürgerlichem Schein und Sein. Dieser Auswahlband versammelt Machado de Assis' beste Geschichten – allesamt Neu- und deutsche Erstübersetzungen – zu einem Panorama kompromissloser Originalität.

Mein Lieblingszitat:

Meine Meinung:
Dieses Büchlein hat mich total angesprochen, weil ich ganz einfach mal ein Buch eines brasilianischen Autors lesen wollte, um einen kleinen Einblick in die Welt der Literatur des südamerikanischen Landes zu bekommen. Als ich den Band in Händen hielt war ich erst einmal ganz entzückt, dass es sich um so ein kleines Büchlein handelt und auch die Aufmachung dieser Ausgabe aus dem Manesse Verlag ist wunderschön, wie ihr auf den Bildern sehen könnt (Cover, Lesebändchen, Fadenheftung...).
„Das babylonische Wörterbuch“ beinhaltet dreizehn Erzählungen des im Jahre 1908 verstorbenen brasilianischen Autors. Diese Erzählungen unterscheiden sich von ihrer Erzählform total, es gibt bibelartige Texte, Kurzgeschichten, Arten von Märchen, Legenden oder Mythen und sogar einen Vortrag. Mal wird aus der Perspektive eines personalen Erzählers, mal aus der Ich-Perspektive berichtet, genauso wechselt der Schreibstil von ernsthaften zu humorvollen oder ironischen  Worten. Sehr angetan war ich davon, dass Machado de Assis an das Ende seiner Erzählungen oft eine kleine Moral oder Lehre stellt, die die Geschichte abrundet. Oft saß ich nach Beenden einer Geschichte dort und habe erst einmal über diese nachgedacht. Zudem muss ich sagen, dass allen voran seine Kurzgeschichten ein hohes Spannungsniveau haben, sie haben mich wirklich gefesselt. An dieser Stelle kann ich natürlich erwähnen, dass ich nicht von allen dreizehn Erzählungen gleich angetan war, doch es gab keine einzige, die ich nicht als originell empfunden habe.
Machado de Assis nimmt Perspektiven ein und beleuchtet kleine Dinge, auf die zu kommen eine wirkliche Rarität ist, so schreibt er in einem Vortrag über die Sprache und das politische System einer Spinnenbevölkerung und lässt in einer anderen Erzählung eine Maus zu Wort kommen. Besonders oft macht er sich über die Dummheit der Menschen lustig, indem er diese beispielsweise mit ihren eigenen Waffen schlägt. Sehr geholfen haben mir beim Lesen die vielen Anmerkungen der Übersetzerinnen, die Begriffe aus dem damaligen Brasilien erklären. Ein informatives Nachwort gibt schönerweise einen kleinen Einblick in das Leben und die Werke des Autors, sodass auch die damalige Gesellschaft ein bisschen beleuchtet wird. Nach der Lektüre dieses Sammelbandes werde ich mich sicher bald einmal einem der Romane Machado de Assisˋ widmen!

 

Mein Fazit:
Eine großartige Sammlung erzählerischer Meisterwerke aus Brasilien, die nach über hundert Jahren noch immer ein eindrucksvolles Bild der Gesellschaft heraufbeschwören und den Leser mal fantastisch, mal geheimnisvoll, aus der Wirklichkeit reißen.

Das babylonische Wörterbuch bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

Dienstag, 5. Juni 2018

Rezension: Teich - Claire-Louise Bennett

Titel: Teich
Originaltitel: Pond
Autorin: Claire-Louise Bennett
Erscheinungsdatum: 23. April 2018
Seitenzahl: 224
Verlag: Luchterhand Literaturverlag 
Preis: 20,00€
Genre: Roman 


Inhalt:
Sie lässt alles hinter sich – Freund, Job, Karriere - und zieht in ein kleines irisches Küstendorf. Sprachmächtig und fesselnd zeichnet Claire-Louise Bennett das Porträt einer jungen Frau, die allein in einem hundert Jahre alten Steincottage lebt - mitten in der Natur, abseits von den Zwängen der Gesellschaft. Ein Rückzug, der die Wahrnehmung schärft und den Blick auf die Welt verändert, dem Profanen eine besondere Schönheit entlockt. Mitreißend und kunstvoll beschreibt Claire-Louise Bennett ihren Alltag und zeigt, wie kleine Dinge mit einem Mal eine ungeahnte Tiefe gewinnen, wenn man auf alles Überflüssige verzichtet und die Welt auf sich wirken lässt.

Mein Lieblingszitat:

Meine Meinung:
Ich wollte diesen Roman unbedingt lesen, weil die Idee hinter der Geschichte mich schlicht und ergreifend angesprochen hat, genauso wie das schöne Cover, das gut zum poetischen Inhalt passt. Das Buch ist insgesamt in ein gutes Dutzend Kapitel aufgeteilt, die mal sehr kurz, mal etwas länger sind und meist treffende Überschriften tragen, die neugierig auf den Inhalt machen. Sehr besonders an Claire-Louise Bennetts Buch ist, dass sie zwar die ganze Zeit über in der Ich-Perspektive schreibt, ihr Schreibstil, sowie die Zeitform, in der sie schreibt jedoch je nach Stimmung einem stetigen Wandel unterliegen. Aus diesem Grund fiel es mir an der ein oder anderen Stelle erst einmal schwer, in ihre Gedanken hineinzufinden und ihre oft ungewöhnliche Sicht der Dinge nachzuvollziehen. Auch war mir beim Lesen die meiste Zeit über nicht bewusst, ob das Erzählte gerade stattfindet, oder die junge Frau wieder einmal in die Vergangenheit gesprungen ist. Es kam mir so vor, als würde sie einfach alles, was ihr in den Sinn kommt aufschreiben und dies mit den verschachtelten Sätzen, die ihr gerade einfielen. Zum Inhalt kann ich auf alle Fälle sagen, dass die Hauptprotagonistin teilweise über ganz alltägliche Dinge berichtet. Hier einige exemplarische Berispiel: Kontrollknöpfe an einem Herd, alte Briefe, Postkarten, Tomatenmark, die Farbe von Tinte und einen Teich (wie der Titel schon sagt). Diese außergewöhnliche Wahrnehmung von den klitzekleinen Dingen im Leben regt wirklich zum Nachdenken über die eigene Anordnung von solchen Dingen im eigenen Leben an. Zu diesen meist recht ernsten Erzählungen stößt unvermeidlich auch etwas Humor, weil viele Situationen einfach so skurril oder genau beschrieben sind, dass automatisch Witz entsteht. 

Mein Fazit:
Ein wunderbar nachdenkliches Buch, das den Gedankenfluss einer von der Gesellschaft isolierten Frau mit großer Offenheit wiedergibt.

Ein großes Dankeschön an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar!

Teich bekommt von mir volle 5/5 Sterne!

Donnerstag, 31. Mai 2018

Rezension: Eine Liebe, in Gedanken - Kristine Bilkau

Titel: Eine Liebe, in Gedanken
Autorin: Kristine Bilkau
Erscheinungsdatum: 12. März 2018
Seitenzahl: 256
Verlag: Luchterhand Literaturverlag 
Preis: 20,00€
Genre: Roman


Inhalt:
Hamburg, 1964. Antonia und Edgar scheinen wie füreinander gemacht. Sie teilen den Traum von einer Zukunft fern von ihrer Herkunft. Im Krieg geboren und mit Härte und Verdrängung aufgewachsen, wollen die Welt kennenlernen, anders leben und lieben als ihre Eltern. Edgar ergreift die Chance, für eine Außenhandelsfirma ein Büro in Hongkong aufzubauen. Toni soll folgen, sobald er Fuß gefasst hat. Nach einem Jahr der Vertröstungen löst Toni die Verlobung. Sie will nicht mehr warten und hoffen, sondern endlich weiterleben.

Tonis und Edgars Leben entwickeln sich auseinander, doch der Trennungsschmerz zieht sich wie ein roter Faden durch beide Biographien. Toni lebt in dem Konflikt zwischen ihren Idealen von Freiheit
und Unabhängigkeit und dem Wunsch, sich zu binden, um Edgar zu vergessen. Fünfzig Jahre später, nach dem Tod ihrer Mutter fragt sich Tonis Tochter: War ihre Mutter gescheitert oder lebte sie, wie sie es sich gewünscht hat: selbstbestimmt und frei? Wer war dieser Mann, den sie nie vergessen konnte? Die Tochter will ihm begegnen, ein einziges Mal.

Mein Lieblingszitat:

Meine Meinung:
Ich finde, dass der Inhalt von diesem Buch echt Lust aufs Lesen macht und auch das Cover gefällt mir gut. Schon direkt am Anfang konnte ich mich gut in die Geschichte hineinversetzen. Es wird mal aus der Perspektive der in der heutigen Zeit lebenden Tochter der Hauptprotagonistin Toni, mal aus der Perspektive von Toni in den 60ern erzählt. Dabei ist mir aufgefallen, dass die Autorin clevererweise beim Berichten aus der Sicht der Tochter in der Ich-Perspektive und in der Vergangenheitsform schreibt und im Gegensatz dazu beim Erzählen aus Tonis Sicht die personale Erzählperspektive anwendet und in der Gegenwartsform schreibt. Dadurch werden Tonis Erlebnisse sehr viel realistischer und es fiel mir leichter, mich auch in die Gedanken und Gefühle ihrer Tochter hineinzuversetzen. Toni als Hauptprotagonistin war mir, genauso wie ihr Freund Edgar recht sympathisch, weil ich ihre Ansichten recht gut verstehen konnte. Der Schreibstil der Autorin hat mir an sich auch gut gefallen, weil er einige recht poetische Passagen enthält, aber nicht zu viele, sodass sich der Roman noch entspannt lesen lässt. Es gab in „Eine Liebe, in Gedanken“ viele Stellen, die zum Nachdenken angeregt haben und mich erst einmal zum Innehalten bewegt haben. Jedoch werden diese Stellen mit witzigen Momenten ausgeglichen, sodass ein bisschen Abwechslung in die Geschichte kommt. Zur Geschichte kann ich nur sagen, dass sie super realistisch und darum natürlich auch traurig ist. Leider waren die Ereignisse mir manchmal etwas zu ausführlich beschrieben. Trotzdem gefällt mir die Geschichte an an sich total, weil sie mir wie aus dem Leben gegriffen scheint.

Mein Fazit:
Die realitätsnahe Geschichte einer Liebe, die sich auseinanderentwickelt, erzählt durch einen poetischen Schreibstil.

Vielen Dank an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar!

Eine Liebe, in Gedanken bekommt von mir 4/5 Sterne!

Sonntag, 20. Mai 2018

Rezension: Im Frühling - Karl Ove Knausgård

Titel: Im Frühling
Originaltitel: Om våren
Autor: Karl Ove Knausgård 
Erscheinungsdatum: 26. März 2018
Seitenzahl: 256
Verlag: Luchterhand Literaturverlag 
Preis: 22,00€
Genre: Erzählungen 

Inhalt:
Die Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård: "Im Frühling" ist der dritte Teil einer aus vier Bänden bestehenden grandiosen Liebeserklärung an das Leben und die sinnlich erfahrbare Welt. Enthalten: ein Tag im Leben einer Familie, zwischen Sonnenaufgang und Sonnenuntergang. 

In diesem Kurzroman begleiten wir einen Vater und seine drei Monate alte Tochter durch einen Tag im Frühling. Ein Tag, geprägt vom Anfang des Lebens, von Aufbruch und Licht, aber auch von Dunkelheit und Beschwernis.

Mein Lieblingszitat:

Meine Meinung:
Weil ich sehr begeistert von den ersten beiden Teilen der Jahreszeiten-Bände von Karl Ove Knausgård war, wollte ich natürlich auch den dritten Teil lesen!
Wie auch bei den vorherigen Büchern ist das Buch mit einigen zum Nachdenken anregenden Bildern gespickt, die eine Abwechslung zum Text bieten. 
Anders als bei „Im Herbst“ und „Im Winter“ schreibt der Autor jedoch nicht in kleinen Kapiteln über ganz alltägliche Dinge, wie z.B. über Stühle, Betten oder Äpfel, sondern beschreibt einen Tag in seinem Leben mit seiner neugeborenen Tochter und erzählt ihr auch von den Jahren vor ihrer Geburt. Meiner Meinung nach gibt es in seinen Erzählungen nach wie vor sehr viele interessante, poetische Abschnitte und sogar kleine Portionen Humor finden teilweise ihren Weg in die sonst oft sehr ernsten Lebensabschnitte des Autors. Sein Schreibstil gleicht oft dem eines Dichters oder Poeten, da er sich wirklich bildhaft und metaphorisch ausdrückt. Auch die Tatsache, dass er in der Ich-Perspektive und manchmal in der Gegenwart schreibt macht sein Buch um einiges ansprechender und ermöglicht sehr intime Blicke in sein Leben. Gefallen haben mir auch die vielen genauen Lanschafts- und Natursbeschreibungen, Karl Ove Knausgård besitzt wahrlich das Talent, facettenreiche Bilder im Kopf entstehen zu lassen. Leider gab es einige Seiten im Buch, die ich als etwas langatmig empfunden habe und die man, wie ich finde, hätte kürzen können. Trotzdem ist „Im Herbst“ wieder einmal ein besonderes Buch, dass einen Menschen (Karl Ove Knausgård) und seine wahren Gedanken und Gefühle offenbart und für die Menschheit festhält.

Mein Fazit:
Zum Nachdenken anregende, sehr poetische Erzählungen, die direkt aus dem Leben gegriffen sind.

Vielen Dank an den Luchterhand Literaturverlag für das Rezensionsexemplar!

Im Frühling bekommt von mir 4/5 Sterne!